Austauschprogramm


Andere länder, andere Sitten...

„Security“ in England – Taschenlampe statt Schlagstock

 

Viktoria Bobb absolviert EU-gefördertes Auslandspraktikum während ihrer Ausbildung.

 

Nicht alles läuft nach Plan.

 

In Exten gehören Handschellen, Schlagstock und Pfefferspray zu ihrer Ausrüstung.

In England blieben nur Handy und Schlagstock, berichtet Viktoria Bobb von ihrem Auslandsaufenthalt. 

 

England und Deutschland liegen so dicht beieinander und sind doch so verschieden. Zumindest für ihren Beruf kann Viktoria Bobb diese Aussage bestätigen.

 

Die 21-Jährige macht zurzeit eine Ausbildung zur Fachkraft für Sicherheit und Schutz bei der Firma SDS in Exten. Die vergangenen fünf Wochen hat sie in England verbracht.

 

Dort absolvierte sie ein Praktikum –organisiert und bezuschusst von der EU und dem Land Niedersachsen.

 

Der Sicherheitsdienst, den Viktoria Bobb in der britischen Stadt Gloucester kennenlernte, war ein ganz anderer als der, den sie von ihrem Ausbildungsbetrieb gewohnt ist.

 

Bei SDS gehören Teleskopschlagstock, Pfefferspray zum Schutz gegen Tiere und Handschellen bei jeder Streife zur gängigen Ausrüstung.

 

„In England hatten die Mitarbeiter lediglich ein Handy und eine Taschenlampe bei sich“, erzählt die junge Frau aus Almena.

Wie die Mitarbeiter sich denn im Notfall schützen, wollte die Praktikantin deshalb von einem der Kollegen wissen.

„So richtig wussten die das auch nicht“, sagt sie.

Im Ernstfall käme ja die Polizei hinzu.

 

Die Streife mit dem Kollegen war dennoch eine der wenigen Momente des Praktikums, in denen Viktoria Bobb die Berufspraxis ihrer englischen Kollegen hautnah miterleben konnte.

 

Die meiste Zeit setzte die Gastfirma sie nämlich in der Verwaltung ein.

 

„Das war ein bisschen schade“, sagt Bobb.

Gerne hätte sie erfahren, wie Sicherheitskräfte in England vorgehen, was sie dürfen und was nicht, und wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten.

 

Stattdessen lernte sie aber, wie englische Verträge abgeschlossen werden und wie man die Kosten für einen Sicherheitsdienst kalkuliert.

 

„Das hätte man anders organisieren können“,

sagt die Auszubildende rückblickend.

 

Die Organisation sei generell ein großer Schwachpunkt des fünfwöchigen Aufenthalts für die deutschen Auszubildenden in England gewesen.

 

Die Mittel für das Praktikum stammten aus dem

„Leonardo da Vinci“-Programm, mit dem die EU die internationalen Kompetenzen ihrer Bürger steigern will.

 

Die Planung des Praktikums übernahm das niedersächsische Kultusministerium.

 

Und die Behörde verließ sich dabei vor allem auf eines:

die Flexibilität der Auszubildenden.

 

Schon nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Bristol stieß Viktoria Bobb erstmals an die Grenzen der behördlichen Organisation. Denn entgegen ihrer Erwartungen, wartete dort niemand, um sie und die anderen Auszubildenden in Empfang zu nehmen. Ihnen blieb also nichts anderes übrig, als sich mit ihrem Gepäck in öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch die unbekannte 400 000-Einwohner-Stadt zu ihren Unterkünften oder Gastfamilien durchzuschlagen.

 

In den ersten Wochen erwartete die Praktikanten dann Sprachunterricht in einer Akademie in Bristol.

Ín der dritten Woche sollten die Praktikanten dann eigentlich zu ihren Praktikumsbetrieben weiterreisen.

Doch wo genau die sein würden, war lange unklar.

 

Erst zwei Tage vor der geplanten Abreise aus Bristol erhielten Sie per E-Mail weitere Informationen des Kultusministeriums.

Sie wurden aufgefordert, nach Gloucestershire zu fahren, wo sie am Bahnhof in Empfang genommen würden.

 

„Das kam uns schon komisch vor, immerhin war bis dahin immer von Gloucester die Rede gewesen“, sagt die 21-Jährige.

 

Erst ein Anruf in Hannover brachte Klärung und bestätigte die Vermutung der Auszubildenden:

Die E-Mail der Mitarbeiterin des Ministeriums war schlichtweg falsch.

 

 

 

In Gloucester angekommen wartete dann die nächste Überraschung.

 

Es ging nicht wie erwartet zu den Ausbildungsbetrieben, sondern noch eine weitere Woche auf die Schulbank, diesmal an eine Berufsschule.

 

„Leider gibt es meinen Ausbildungsberuf in England gar nicht“, erzählt Bobb.

 

Während die anderen Praktikanten mit den britischen Berufskollegen den Fachunterricht besuchten, wurden die Fachkräfte für Sicherheit und Schutz deshalb in eine Bibliothek verfrachtet, wo sie eine Woche lang mit mehr oder minder sinnvollen Aufgaben versorgt wurden. „Diese Woche hat uns überhaupt nichts gebracht“, sagt Bobb.

 

Sie hätte sich gewünscht, viel früher etwas von der Berufspraxis mitzubekommen.

 

 

 

Trotz der gemischten Erfahrungen, die Viktoria Bobb während der fünf Wochen in England sammelte, würde sie ein solches Praktikum weiterempfehlen,

 

„wenn denn die Organisation verbessert wird“.

 

Auch ihre Firma, die sie während des Praktikums freistellte und das Ausbildungsgehalt weiterzahlte, würde weitere Azubis bei einer Teilnahme unterstützen.

 

„Solch eine Chance sollte man niemandem verwehren“,

sagt Wachdienstleiter Bodo Budde.

 

Auch er würde sich jedoch wünschen, dass sich am Ablauf der Reise einiges ändert.

 

Der Sicherheitsdienst SDS will deshalb auch selbst noch einmal mit der Berufsschule und dem Kultusministerium in Kontakt treten.

 

Damit künftige Azubis noch mehr Erfahrungen sammeln können und dann vor allem auch in beruflicher Hinsicht.