Interview


„Krieg ich auch eine Knarre?“

 

Sicherheitsdienst-Chef Sinen:

In der Branche gäbe es leider viele schwarze Schafe (...)

 

Sicherheitsdienstleute, die Flüchtlinge verprügeln, Sicherheitsdienste, die Vorbestrafte beschäftigen.

In allen Medien machten Sicherheitsdienste in den letzten Wochen Negativschlagzeilen.

Joachim Sinen vom gleichnamigen Rintelner Sicherheitsdienst Sinen GmbH, SDS wundert das nicht.

In dieser Branche gebe es leider viele schwarze Schafe.

 

Als Ursache dafür sieht er vor allem mangelnde Kontrolle durch die Behörden:

 

„Die schauen nicht hin.“ Ein weiterer Grund für Missstände sei die Kurzsichtigkeit der Komunen, die beispielsweise bei einem Stadtfest den Auftrag an den Sicherheitsdienst vergeben, der seine Leistung zu einem Dumpingpreis anbiete.

So geschehen in Bückeburg.

 

Damals sei es um eine Differenz von fünf Euro die Stunde gegangen, schildert SDS-Wachleiter Bodo Budde.

Bei Sinen hat man nachgerechnet: Für den in Bückeburg gezahlten Preis hätte man nicht einmal den Mindestlohn für die Mitarbeiter zahlen können.

 

Sinen ist fast zwanzig Jahre im Geschäft:

„Mir kann man nichts mehr vormachen“.

 

Sinen und sein Wachleiter sagen:

„Unser wichtigstes Kapital sind unsere Mitarbeiter.

 

Also investieren wir in Ausbildung, Weiterbildung, sowie Ausrüstung.

 

Wir schicken unsere Leute zum Fachverband, zur Berufsgenossenschaft, zum TÜV“.

 

Dass alle als Ersthelfer ausgebildet sind, versteht sich da fast von selbst. 40 Mitarbeiter sind bei Sinen beschäftigt.

Alle Vollzeit, wie der Chef betont.

 

Wer heute noch Geld in der Branche verdienen will, muss sich breit aufstellen.

 

So nennt Sinen Geschäftsfelder, auf denen er mit seinen Mitarbeitern tätig ist, die man auf Anhieb nicht gerade mit einem Sicherheitsdienst in Zusammenhang bringen würde.

 

Beispiel Personenbefreiung aus einem Fahrstuhl, wenn der mal zwischen den Etagen feststeckt.

In vielen Fällen kommt dann nämlich weder Polizei noch Feuerwehr, sondern ein speziell dafür ausgebildeter SDS-Mann.

 

Wir haben, überschlägt Budde, von Bielefeld bis Hannover über 100 Aufzüge, für deren Sicherheit wir zuständig sind.

 

Und SDS kontrolliert an Baustellen auch nachts, wie beispielsweise jetzt in Rolfshagen, ob Schilder, Warnbaken und Warnlichter noch da stehen, wo sie sollen, damit kein Autofahrer in eine Baugrube stürzt.

 

Sinen-Mitarbeiter rücken aus, wenn in einem Unternehmen eine Alarmanlage anspringt, egal ob Feuer oder Einbruch.

 

Einfach deshalb, weil es in der Praxis häufig ein Fehlalarm ist.

 

Die SDS-Leute checken dann die Anlage und stellen sie wieder scharf.

 

War oder ist doch ein Einbrecher auf dem Gelände, wird sofort die Polizei alarmiert.

 

SDS-Mitarbeiter erkennt man schon an ihren Uniformen auf der Messe, bei der Sommerveranstaltung „Doktorsee in Flammen“,

 

sieht sie bei Kontrollen im Industriegebiet Süd oder als Werkschutz bei riha-Wesergold.

 

Auch das gehört für Budde dazu: eine Uniform, dazu ein Mitarbeiterausweis und eine zweckmäßige Ausrüstung.

 

Leider gebe es Unternehmen, die stellen noch nicht einmal Ausweise aus, eigentlich das Mindeste.

Da könne man sich vorstellen, wie es um deren Ausrüstung bestellt ist.

 

Und Budde widerspricht der landläufigen Meinung, Sicherheitsdienstmitarbeiter rekrutierten sich vor allem aus ehemaligen Bundeswehrangehörigen oder Polizeibeamten:

 

„Wir haben einen Querschnitt durch viele Berufe, so Sanitäter, Tischler, Maschinenbauer, Mechantroniker, Zimmerleute.

Wer bei uns anfangen will, muss eine abgeschlossene Berufsausbildung haben“

 

Schon bei einem Bewerbungsgespräch, erläutert Budde, zeige sich oft, ob der richtige Kandidat für diesen Beruf auf dem Stuhl sitzt.

 

Wer sofort zu Beginn wissen will,

„krieg ich dann auch eine Knarre?“,

sei nicht gerade die Idealbesetzung.

 

Ein künftiger SDS-Mitarbeiter sollte Selbstbewusstsein haben, sich durchsetzen können, aber dabei ruhig bleiben.

 

Und er sollte technisches Verständnis mitbringen, denn er lernt mit Meldeeinrichtungen, Videoüberwachung und anderer Sicherheitstechnik umzugehen:

„Wir sind da immer auf den neuesten Stand“.

 

Psychologie sei oft alles in diesem Beruf, schildert Budde:

Bei großen Veranstaltungen, bei der Einlasskontrolle begrüße er die Leute, wünsche viel Spaß.

„Wenn es dann doch Ärger gibt, kennen die mein Gesicht, wissen, dass ich freundlich zu ihnen war, allein das wirkt oft schon deeskalierend“.

 

Dass Massenschlägereien auf Stadtfesten wie in früheren Zeiten vorbei sind, daran sei auch der Sicherheitsdienst beteiligt, sagt Budde mit berechtigtem Stolz:

 

„Wir ersticken jede Randale schon im Keim“.

 

Selbstverständlich betont Budde, gebe es auch Kollegen, die an der Waffe ausgebildet werden, er selbst gehört dazu.

 

Einfach, weil es auch Einsätze gebe, wo man eine Schusswaffe dabei haben sollte.

 

Einmal, schildert Budde, haben SDS-Mitarbeiter bei einem Umbau einer Bank den Bargeldbestand bewacht, bevor der in den neuen Tresor umgelagert wurde.

 

Einmal habe ihn ein Professor um Hilfe gebeten, weil seine Tochter von einem abgewiesenen Verehrer mit dem Messer bedroht worden ist:

 

„Wir haben die junge Frau begleitet, bis der Verehrer von der Polizei festgenommen werden konnte.“

 

Dann habe ein Anwalt um bewaffneten Schutz gebeten:

Der hatte in einer Aktentasche jede Menge Wertgegenstände.

 

Kapital, betont Sinen, sei für SDS auch der gute Ruf des Unternehmens, die Seriosität.

 

So zählen heute namhafte Unternehmen im Schaumburger Land und der Region zu den SDS-Kunden.

Und Sinen entwickelt neue Geschäftsfelder.

 

Stichwort:

Mobile Forensik, dabei geht es um digitale Spurensuche.

 

Baupläne hat er auch:

für einen Anbau in der Behrenstraße mit neuen Räumen.

 

Im Frühjahr soll es losgehen.